Bezirksversammlung Altona

Auszug - Gesundheitsversorgung in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Schnackenburgallee  

 
 
Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Verbraucherschutz und Gesundheit
TOP: Ö 2
Gremium: Ausschuss für Umwelt, Verbraucherschutz und Gesundheit Beschlussart: (offen)
Datum: Mo, 08.05.2017 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:30 - 20:45 Anlass: Sitzung
Raum: Sitzungsraum des Technischen Rathauses (EG)
Ort: Jessenstraße 1, 22767 Hamburg (Zugang über Nebeneingang Jessenstraße, Ecke Virchowstraße)
Zusatz: Vor der Ausschusssitzung findet für die Ausschussmitglieder um 16:30 Uhr eine Begehung der Flüchtlingsambulanz in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Schnackenburgallee statt. Die Sitzung beginnt um 18:30 Uhr.
 
Protokoll
Abstimmungsergebnis

Vor der Ausschusssitzung hat für die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt, Verbraucherschutz und Gesundheit und des Sonderausschusses Flüchtlinge eine Begehung der Flüchtlingsambulanz in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Schnackenburgallee stattgefunden.

 

Frau Dr. von Trotha (Flüchtlingsambulanz in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Schnackenburgallee) erläutert auch auf Nachfragen der Ausschussmitglieder Folgendes:

 

  • Die Praxisausstattung der Flüchtlingsambulanz und das Videodolmetschsystem seien Spenden der Dorit & Alexander Otto-Stiftung. Das Dolmetschsystem biete das Dolmetschen von ca. 50 Sprachen an. Ständig abrufbar seien Sprachen wie Arabisch, Farsi, Dari, Kurdisch, Russisch sowie die Balkansprachen. Andere Sprachen seien nicht ständig abrufbar und müssten angemeldet werden.
  • Die Flüchtlingsambulanz arbeite seit August 2016 mit dem Videodolmetschsystem. Die Erfahrungen mit dem System seien sehr gut.
  • Es werdeglich sowohl vormittags als auch nachmittags eine Sprechstunde angeboten. Bei einer vierstündigen Sprechstunde am Vormittag könne mit etwa 25 bis 30 Patienten gerechnet werden. Es gebe aber auch Tage, an denen deutlich weniger Patienten behandelt würden.
  • Die durchschnittliche Behandlungszeit pro Patient seiher als in einer üblichen allgemeinmedizinischen Praxis. Bildungsabhängig inhaltliche Verständnisprobleme sowie kulturelle Unterschiede wirkten sich zeitlich gravierend auf den Arzt-Patienten-Kontakt aus.
  • Die Ärzte der Flüchtlingsambulanz hrten regelmäßig Kriseninterventionsgespräche. Diese erhöhten nochmals deutlich den Zeitaufwand.
  • Die Flüchtlingsambulanz führe eine interne Statistik über dielle, nicht aber über den Zeitrahmen.
  • Der Anbieter des Dolmetschsystems arbeite mit zertifizierten Dolmetschern. Diese seien vertraut mit den gängigen medizinischen Grundbegriffen.
  • Die Kosten für das Dolmetschen würden nicht von den Krankenkassen übernommen.
  • Montags und freitags werde eine kinderärztliche Sprechstunde angeboten, zu der neben Ärzten der Asklepios Klinik Altona auch niedergelassene Kinderärzte in die Einrichtung kämen. In der kinderärztlichen Sprechstunde könne nicht auf das Videodolmetschsystem zurückgegriffen werden, da diese in anderen Räumen stattfinde.
  • Es sei problematisch, dass die Geflüchteten bei ihrem Wechsel in eine Folgeunterkunft ihre Krankengeschichte bei folgenden Arztbesuchen selbst übermitteln müssten. Da die meisten Geflüchteten zu diesem Zeitpunkt noch nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügten, gingen viele Informationen verloren und Untersuchungen würden mehrfach durchgeführt. Dieshre zu erheblichen Mehrkosten. Die Flüchtlingsambulanz biete daher allen Patienten an, im Falle eines Umzuges die medizinische Geschichte auszudrucken und mitzugeben.

 

Frau Pierenkemper (fördern und wohnen) ergänzt, dass der Informationsaustausch zwischen fördern und wohnen und den Einrichtungen wichtig sei, um die medizinischen Daten weitergeben zu können. Die medizinische Schweigepflicht und die Einhaltung des Datenschutzes spiele hierbei ebenfalls eine bedeutende Rolle. In den Folgeunterkünften gebe es generell weniger Beratungsmöglichkeiten.

 

Herr Dr. Nießen berichtet ergänzend:

 

  • Laut Sozialgesetzbuch bestehe kein Anspruch auf eine Dolmetschleistung beim Arztbesuch. Es gebe eine von der Stadt Hamburg ausgehende Bund-Länder-Initiative, um dies zu ändern. Derzeit beschäftige sich die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) mit dem Thema.
  • Sprachmittlung sei für eine gute ärztliche Versorgung wichtig. Die Kosten von monatlich etwa 50.000 Euro würden derzeit von der Behörde für Inneres und Sport (BIS) übernommen. Er wisse nicht, ob die BIS die Kosten aus Bundesmitteln refinanziere. Der Preis werde allerdings weiter zu verhandeln sein.
  • Das Modell des Videodolmetschens sei von der Stadt Hamburg initiiert worden. Es werde mit dem System eines österreichischen Anbieters gearbeitet. Aufgrund des großen Erfolges steige die Zahl der Anbieter. Dies werde zukünftig auch einen Einfluss auf den Preis haben.
  • Laut Bilanz der BIS sei das Videodolmetschsystem insgesamt preiswerter als die Dienste eines Dolmetschers.
  • Laut einer Befragung der Hamburger Ärztekammer und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf seien etwa 150 niedergelassene Ärzte bereit, auch in ihren Praxen mit dem Videodolmetschsystem zu arbeiten. Es werde derzeit an einem Finanzierungsmodell gearbeitet.
  • Das System solle weiterentwickelt werden.