Bezirksversammlung Altona

Auszug - Luthergemeinde hier: Vorstellung der Arbeit mit Geflüchteten  

 
 
Sitzung des Sonderausschusses Flüchtlinge
TOP: Ö 3
Gremium: Sonderausschuss Flüchtlinge Beschlussart: (offen)
Datum: Di, 11.07.2017 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:01 - 19:12 Anlass: Sitzung
Raum: Luthergemeinde, Luthersaal
Ort: Lutherhöhe 22, 22761 Hamburg
 
Protokoll

Herr Baudisch und Frau Buhr, beide Luthergemeinde, berichten über die Arbeit mit Geflüchteten und beantworten Fragen von Ausschussmitgliedern:

 

Kooperationen mit anderen ehrenamtlichen Organisationen

 

  • Es gebe beispielsweise Projekte der Luthergemeinde in der Regerstraße und eine Kooperation mit der Unterkunft Schnackenburgallee. Dabei würden Angebote bedarfsgerecht geschaffen, auch r Personen aus benachbarten Unterkünften geöffnet und immer wieder verändert und angepasst. Aktuell gebe es weniger Bewohner in der Schnackenburgallee, in Hochzeiten seien es mehr als 3.000 gewesen.
  • Die Beratung „Fluchtpunkt“ der Evangelisch-Lutherischen Kirche Nordelbien in Hamburg sei in ihren ursprünglichen Räumlichkeiten wegen der hohen Zahlen an Nutzern nicht mehr ausgekommen. Die Luthergemeinde unterstütze in eigenen Räumlichkeiten bei der Rechtsberatung zum Thema Aufenthaltsrecht.
  • Die Luthergemeinde sei im Stadtteil gut vernetzt und nehme an vielen Gremien, wie etwa künftig dem Quartiersbeirat Lurup (Bahrenfeld) teil.
  • Auch Bewohner aus der Unterkunft Sibeliusstraße nutzten die Angebote der Luthergemeinde.
  • Der Kontakt zum „Runden Tisch Holstenkamp“ sei hervorragend. Die Luthergemeinde begleite den Prozess des „Parkcafé“.

 

Kleiderkammer

 

  • Die Kleiderkammer bestehe seit Oktober 2013. Der ursprüngliche Versuch, die Kleidung mit Lastern vor Ort zu verteilen, sei fehlgeschlagen. Eine improvisierte Kleiderkammer, die jede Woche neu auf- und abgebaut werden müsse, sei schließlich vorübergehend im Gemeindehaus eingerichtet worden.

Da diese Lösung nicht auf Dauer möglich gewesen sei, sei die Kleiderkammer im  Dezember 2014 in Container in die Regerstraße umgezogen. Dort versorge sie bis heute Geflüchtete mit Kleidung und Bedarfsgegenständen. Viele Ehrenamtliche, auch Geflüchtete selbst, beteiligten sich regelmäßig. Mit der Fip GmbH gebe es viele Tandems, die aus einem Geflüchteten und einem Einheimischen bestünden. Ebenso gehörten drei Bundesfreiwillige zum Team, zwei davon Geflüchtete.

  • Der Hauptbestandteil der Nutzer der Kleiderkammer käme aus der Schnackenburgallee, aber auch die Bewohner aller anderen Unterkünfte erhielten mittwochs die Gelegenheit, zu kommen.
  • Das Spendenaufgebot an Kleidung und Bedarfsgegenständen sei deutlich geringer geworden. Es gebe aber auch „Stammspender“. Eine Kooperation mit Hanseatic Help e.V. bestehe. Wenn beispielsweise etwas nachgefragt werde und vor Ort nicht vorhanden sei, werde dies durch Hanseatic Help in der Regel geliefert.

 

Weitere Projekte

 

  • In den Räumlichkeiten der Luthergemeinde erteilten etwa 15 Ehrenamtliche Deutschkurse.
  • Die Luthergemeinde betreibe in der Schnackenburgallee ein sogenanntes Kunstzelt, in dem eine Art „Kunsttherapie“ r die Geflüchteten ermöglicht werde.
  • Kleinere Initiativen rden bei der Beantragung von Fördermitteln unterstützt.
  • Am Luthercampus finde eine Lebensmittelausgabe statt und es gebe ein Eltern-Kind-Zentrum, Sozialberatungen etc.. So kämen die Geflüchteten auch in sozialräumlichen Angeboten an. Welche Angebote konkret im Eltern-Kind-Zentrum erfolgten, sei nicht bekannt. Die Luthergemeinde selbst biete zwei Angebote speziell für Frauen mit Kindern.
  • Ein neues Projekt sei der Luthergarten. Hier solle noch ein weiteres Areal hinzugewonnen werden.
  • Die Fahrradwerkstatt in der Schnackenburgallee sei ebenfalls bei der Gemeinde angegliedert. Der Bezirk habe hier eine großgige Zuwendung genehmigt. In der Regerstraße seien inklusive der sogenannten „Schnackschrauber“ etwa 60 Ehrenamtliche tätig.
  • nftig solle ein Begegnungsraum für die Bewohner der Schnackenburgallee  außerhalb des Unterkunftsgeländes geschaffen werden. Dieser solle in der Regerstraße entstehen und in Form eines Begegnungscafé -  auch für Menschen aus dem Stadtteil offen stehen, um Begegnungen zu fördern. Ebenso sei vorgesehen, den Raum für selbstbestimmte Aktivitäten zu vergeben, z.B. an Ehrenamtliche, die eigene Angebote planten.
  • r die Stadtteildiakonie sei eine halbe Stelle geschaffen worden. Der Fokus liege zwar auf den Geflüchteten, aber es finde auch eine allgemeine Beratung statt. Der Sitz solle in der Regerstraße entstehen. Es solle eine Sozialberatung geboten werden, die „zu Ende“ berate und nicht bei den aufenthaltsrechtlichen Hilfen ende. Mitarbeiter von fördern & wohnen seien r eine ganzheitliche Beratung oft nicht ausgebildet.
  • Auch Geflüchtete würden derzeit für eine Sozialberatung ausgebildet. Sie sollten andere Geflüchtete begleiten und r diese übersetzen. Hierbei handele es sich um sogenannte „Sprachmittler“, die den Sozialraum weiter zugänglich machen sollten. Sie sollten ab dem 01.08.2017 zum Einsatz kommen. Morgen fänden die Vorstellungsgespräche statt.
  • r ca. 20.000 Euro werde in der Regerstraße der Begegnungsraum geschaffen. Das „Parkcafé“ richte sich in erster Linie an Holstenkampbewohner, das Angebot in der Regerstraße auch an andere Unterkünfte. Bis zur Eröffnung des „Parkcafé“ sei es ein langer Weg, der Begegnungsort in der Regerstraße könne kurzfristiger öffnen.

Somit gebe es keine überschneidenden Themen und die Räumlichkeiten könnten nebeneinander existieren.

 

Kirchliche Arbeit

 

  • Viele Geflüchtete nähmen auch am Gottesdienst teil, der inzwischen sogar auf Farsi angeboten werde. Dies erleichtere das Ankommen im Gemeindewesen.
  • In erster Linie seien iranische Christen in die Gemeinde gekommen, sowie einige, die neu getauft werden wollten. Eine Taufe finde grundsätzlich nicht statt, wenn der Eindruck entstehe, dies sei nur ein Vorwand für einen Aufenthaltstitel.
  • Die Gemeinde sei zudem aktiv im Bereich Kirchenasyl. Es würde Menschen Schutz geboten und sie würden bei der Überprüfung der Rechtslage unterstützt. Kirchenasyl sei aber kein großes Thema. Nur einige Personen würden derzeit betreut. Anfragen für Kirchenasyl seien allerdings zahlreich. Die meisten Anfragen kämen von Geflüchteten aus Eritrea, Syrien und dem Irak. Insgesamt seien die anfragenden Nationalitäten aber breit gefächert.

 

Herr Dr. Lembkehrt abschließend aus, es werde immer deutlicher, dass es nicht mehr nur um das reine Wohnen, sondern immer mehr auch um Integration gehe.