Bezirksversammlung Altona

Drucksache - XIX-2845  

 
 
Betreff: Soziale Realitäten anerkennen, Luruper Grundschulen in ihrer Arbeit stärken
Antrag der CDU-Fraktion
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag öffentlich
Federführend:Geschäftsstelle der Bezirksversammlung   
Beratungsfolge:
Hauptausschuss
13.06.2013 
Sitzung des Hauptausschusses vertagt   
11.07.2013 
Sitzung des Hauptausschusses geändert beschlossen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n

Das Luruper Forum wendet von sich in einem offenen Brief gegen den Ende Februar von Schulsenator Rabe bekannt gegebenen neuen Sozialindex. Darin weisen sie auf deutliche Widersprüche zwischen den zugänglichen Sozialdaten und den neu vorgestellten Sozial-Indices der Schulen hin. Zudem beschreiben sie die besorgniserregenden Folgen der Neuberechnung an einigen Schulen. So kommt es unter anderem zu größeren Klassen und Einsparungen bei der Sprachförderung.

 

In der Drucksache 20/7094, Anlage 4a Alte und neue Sozialindizes der staatlichen Grundschulen und Grundschulabteilungender Bürgerschaft finden wir zB. für folgende Luruper Schulen Änderungen des Index:

 

Fridtjof-Nansen-Schule und Franzosenkoppel Sozialindex 2 auf 3, Grundschule Luruper Hauptstr. verbleibend auf Sozialindex 3.

 

Bei der Zuweisung der Lehrerstellen für die Sprachförderung, die Ganztagsbetreuung und die Inklusion von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf, der Klassengröße und der Ausstattung der Schulbüros spielt der Sozialindex eine erhebliche Rolle.

Für die oben genannten Grundschulen, bedeutet der Aufstieg, bzw. Nicht-Absenkung in den Sozialindex 3, bzw. 2 allein bei der Sprachförderung eine erhebliche Reduzierung, bzw. Nichtaufstockung der personellen Ressourcen, die dringend benötigt werden.?Beachtet man diesbezüglich, dass Kitas in unmittelbarer räumlicher Nähe zu dieser Schule und somit als vergleichbar in Bezug auf die zu betreuenden Kinder und Familien anzusehen sind, im so genannten Kita Plus- Programm mit 80 zusätzlichen Stunden für die Sprachförderung unterstützt werden, wird einem die Neuzuordnung, bzw. Wiederzuordnung in den Sozialindex 3 umso unverständlicher. Ebenso wurde jüngst die Geschwister-Scholl-Stadtteilschule von der Behörde für Schule und Berufsbildung als einzige Schule aus Altona in ein Sofort-Hilfeprogramm D23 aufgenommen, die die Situation an den Wilhelmsburger Schulen auffangen soll.

 

Während der Bezirklichen Bildungskonferenz Altona ist eindeutig von allen im Stadtteil vernetzten Institutionen und Vereinigungen bestätigt worden, dass es keinesfalls zu einer Veränderung der Schülerschaft in den genannten Grundschulen gekommen ist und allein die Auswirkungen des Verlustes der Sprachförderung und die Vergrößerung der Klassenstärke fatale Folgen nach sich ziehen werden. Ganz im Gegenteil: In der Sozialraumbeschreibung aus dem August 2012 für Lurup ist zur Situation der Familien zu lesen: Multiple Problemlagen in den Familien verhindern das Erlernen von Basiskompetenzen im Kindesalter und reduzieren deren Teilhabe und Bildungschancen erheblich.

 

Zur Situation der Kinder ist zu lesen: Als eine Folge der Armutslebenslagen und Überlastungssituationen in ihrer Kindheit weisen diese Kinder bereits im Kita-Alter ein erhebliches Aggressionspotential auf, was im Grundschulalter als hohe Gewaltbereitschaft beschrieben wird.Zur Situation der Jugendlichen weiter: Die ökonomische Situation in den Familien hat im Jugendalter zu ersten Manifestationen der negativen Folgen der Armutslebenslagen geführt. Für mindestens 1/3 der Jugendlichen bestehen erhebliche Einschränkungen in ihren Lern- und Bildungskompetenzen.

 

Diese Besorgnis äußerten ebenfalls die Schulleiter von 70 Hamburger Grundschulen in einem offenen Brief an den Senator. Hier heißt es unter anderem:

 

Die Folgen sind für die Kinder katastrophal. Weniger oder mehr Sprachförderung bzw. sonderpädagogische Unterstützung führt insbesondere in den Grundschulen zu schlechteren oder besseren Chancen für den Erfolg in den weiterführenden Schulen. Schwerpunktschulen für Integration oder Sprachförderung können von einem Jahr zum anderen ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen und müssen vielleicht Personal abgeben. Eine Veränderung der Klassenfrequenzen hat ähnliche Effekte. Soziale Brennpunkte sind nicht mehr angemessen versorgt....

 

Die Bezirksversammlung möge nach § 27 BezVG beschließen:

 

Die Behörde für Schule und Berufsbildung wird gebeten

 

1.      an den Standorten Luruper Grundschulen Fridtjof-Nansen-Schule, Franzosenkoppel und Grundschule Luruper Hauptstraße eine erneute Prüfung der Sozialindizes vorzunehmen und das Ergebnis in Beziehung zu setzen mit der Sozialraumbeschreibung Lurup des Bezirksamtes Altona (Fachamt für Sozialraummanagement, Abt. SR 1) und den Einschätzungen der Behörde für Arbeit, Familie und Integration (BASFI), die dazu führten umliegende Kitas der Schulen in das Programm Kita-Plus aufzunehmen, sowie mit den neuesten Ergebnissen des Statistikamtes Nord über die Einkommensverhältnisse in Lurup und bis zum 31.07.2013 der Bezirksversammlung Altona darüber schriftlich zu berichten,

 

2.      für den Fall einer erneuten Befragung der Eltern auch fremdsprachliche Fragebögen anzubieten und Fragen im Hinblick auf alleinerziehende Eltern, leibliche Kinder oder angenommene Kinder, bzw. Patchwork-Familien einzubinden.

 

Dringlichkeit ist gegeben, da die Ressourcen zum kommenden Schuljahr sonst bereits gekürzt werden würden und bis dahin dringender Klärungsbedarf besteht!


Petitum:

Der Hauptausschuss wird stellvertretend für die Bezirksversammlung um Zustimmung gebeten.


Anlage/n:

ohne