Bezirksversammlung Altona

Drucksache - 20-1313  

 
 
Betreff: Emissionen der Biogasanlage Stellinger Moor und deren Auswirkungen auf die Zentrale Erstaufnahmestelle Schnackenburgallee (ZEA)
Auskunftsersuchen von Dr. Anke Frieling, Uwe Szczesny und Dr. Kaja Steffens (alle CDU-Fraktion)
Status:öffentlichDrucksache-Art:Auskunftsersuchen
Federführend:Geschäftsstelle der Bezirksversammlung   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung
25.06.2015 
Sitzung der Bezirksversammlung zur Kenntnis genommen   
Ausschuss für Umwelt, Verbraucherschutz, Gesundheit und Senioren
13.07.2015 
Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Verbraucherschutz, Gesundheit und Senioren zur Kenntnis genommen   
Ausschuss für Soziales, Integration, Gleichstellung und Flüchtlinge
07.09.2015 
Sitzung des Ausschusses für Soziales, Integration, Gleichstellung und Flüchtlinge zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n

Im Gewerbegebiet an der Schnackenburgallee betreibt die BioWerk Hamburg GmbH & Co. KG die Biogasanlage Stellinger Moor. Dort werden aus Obst- und Gemüseabfällen bzw. überalterten Lebensmitteln in einem innovativen Verfahren elektrische und thermische Energie erzeugt.

 

In unmittelbarer Nähe zur Biogasanlage befindet sich seit November 2012 die Zentrale Erstaufnahmestelle Schnackenburgallee. Hier leben derzeit mehr als 1000 Menschen. Die ZEA  liegt unmittelbar an einer vielgenutzten Hauptverkehrsstraße und der BAB 7, verbunden mit der üblichen Lärmbelästigung und Luftverschmutzung.

 

Daher stellt sich die Frage, ob und wenn ja welche zusätzlichen Belastungen sich aus der Biogasanlage des BioWerks Hamburg ergeben.

 

Vor diesem Hintergrund fragen wir das Bezirksamt bzw. die zuständige Behörde:

 

  1. Liegen Angaben zu den bisherigen Emissionen der Biogasanlage Stellinger Moor vor?

 

a.)     Wenn ja, zu welchen Emissionen und mit welchen Werten?

b.)    Wenn nein, warum nicht?

 

  1. Wo befindet/befinden sich die Messstation/en?

 

  1. Wie oft und wann wird gemessen? Bitte fügen Sie die Daten der letzten sechs Monate der Emissionsmessungen tabellarisch geordnet bei.

 

  1. Wurden die vorgeschriebenen Grenzwerte überschritten?

 

a.)     Wenn ja, wann und in welcher Höhe?

 

  1. Welche Spitzenwerte sind in den vergangenen sechs Monaten gemessen worden und wie oft?

 

  1. Wie werden sich die Emissionswerte mit der Nutzung eines zweiten Schornsteins verändern?

 

  1. Können durch die Biogasanlage auch andere Gefährdungen für die Bewohner der ZEA ausgehen?

 

 

Die Biogasanlage (BGA) Stellinger Moor liegt ca. 460 m nordwestlich der Zentralen Erstaufnahmestelle (ZEA) Schnackenburgallee. Die ZEA liegt von der BGA aus gesehen nicht in der Hauptwindrichtung. Zwischen der BGA und der ZEA liegen die Schnackenburgallee, die östlichen Ausläufer des Altonaer Volksparks und die Parkplätze des Volksparkstadions.

 

Dies vorausgeschickt, beantwortet die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt die Fragen wie folgt:

 

Zu 1 und 1.a:

Lärmimmissionen wurden im Rahmen von Schallpegelabnahmemessungen im September 2006 ermittelt. Zwei der vier Immissionsorte lagen nordwestlich bzw. südwestlich in relativer Nähe der heutigen ZEA. Die genehmigten Immissionsgrenzwerte werden insgesamt im Normalbetrieb tagsüber um mindestens 14 dB(A) und nachts um mindestens 6 dB(A) unterschritten.

 

Tabelle 1:              Ergebnisse der Ermittlung der Lärmimmissionen

 

Immissionsorte

(Lage zur ZEA)

Ermittelte Geräuschpegel

(dBA)

Immissionsgrenzwerte

(dBA)

Tag

Nacht

Tag

Nacht

Referenzaufpunkt, Volkspark

(nordwestlich)

32,4

31,7

50

39

Nansenstraße

(südwestlich)

23,9

21,5

45

30

Försterweg

(nordöstlich)

20,4

10,8

40

25

Flaßheide

(nördlich)

25,5

21,4

40

27

 

 

Abgasemissionen des 52 m hohen Schornsteins des Blockheizkraftwerks (BHKW) werden wiederkehrend im Abstand von drei Jahren gemessen. Dabei sind die Messkomponenten Kohlenmonoxid, Stickstoffoxide (als NO2), Schwefeloxide (als SO2), Formaldehyd und Gesamtstaub zu ermitteln.

 

 

 

 

 

 

Tabelle 2:              Ergebnisse der wiederkehrenden Emissionsmessungen am BHKW-Schornstein

Messkomponenten

 

28.09.2006

01.09.2009

04.06.2013

10.07.2014

Emissions-grenzwerte

Kohlenmonoxid

(g/m³)

0,60

0,76

0,62

0,012

1,0

Stickstoffoxide

(g/m³)

0,45

0,44

0,49

0,467

0,5

Schwefeloxide

(g/m³)

0,055

-

-

0,0017

0,35

Formaldehyd

(g/m³)

0,063

0,050

0,014

0,0062

0,06

Gesamtstaub

( mg/m³)

3,7

0,8

< 0,3

< 0,4

20

 

 

 

Zu 1.b:

Entfällt.

 

Zu 2:

Feste Messstationen sind nicht eingerichtet. Die Ermittlung der Lärmimmissionen erfolgte an vier Orten im Umfeld der BGA (siehe Tabelle 1). Die wiederkehrenden Emissionsmessungen am Schornstein des BHKW erfolgen in einer Höhe von 4,50 m über Grund direkt im Abgasstrom.

 

Zu 3:

Die Messung der Lärmimmissionen erfolgte als Abnahmemessung einmalig.

Die Messungen der Emissionen am Schornstein des BHKW erfolgen im Abstand von jeweils drei Jahren. Die Messergebnisse sind in der Tabelle 2 dargestellt.

 

Zu 4.a:

Mit Ausnahme einer geringfügigen Überschreitung des Messwerts für Formaldehyd im Jahr 2006 (0.063 g/m³ gegenüber 0.06 g/m³) werden die festgesetzten Emissionsgrenzwerte eingehalten.

 

Zu 5:

Siehe Antwort zu 1 und 1.a sowie 4.

 

Zu 6:

Ein zweiter Schornstein besteht nicht, die Errichtung ist auch nicht geplant.

 

Zu 7:

Nein. Die Umweltauswirkungen der BGA wurden im Rahmen der in das Genehmigungsverfahren integrierten Umweltverträglichkeitsprüfung dargestellt und bewertet. Andere Gefährdungen für die Bewohner der ZEA sind nicht zu erwarten.

 


Petitum:

Die Bezirksversammlung wird um Kenntnisnahme gebeten.

 


Anlage/n:

Lageplan ZEA